WQS #73 – Live Event „Von Sinnsuchend Zu Sinnstiftend“

Heute darf ich dir mein erstes Live-Event präsentieren unter dem Motto „Von Sinnsuchend Zu Sinnstiftend“. Meine zwei unglaublich interessanten Interviewgäste sind Perrine Schober, die Gründerin von „SHADES TOURS“ und Cornelia Mayer, die Gründerin von „TOPFREISEN“. Beide haben ein Social Business gegründet. Das heißt, es steht nicht nur der Profit im Vordergrund, sondern vor allem die Aufgabe der Gesellschaft etwas Positives zurückzugeben und Menschen zu helfen.

Danke euch dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt und so transparent und ehrlich über euren Werdegang zu sprechen! Durch eure offene Art streut ihr eine Prise Realität in den Start Up Dschungel! 🙂

Nun möchte ich dir die beiden Powerfrauen etwas näher vorstellen und wünsche dir viel Spaß, bei ihren spannenden Geschichten.

Perrine Schober – Gründerin SHADES TOURS

Perrine ist 34 Jahre alt, halb Französin, halb Österreicherin und hat in Deutschland Tourismusmanagement studiert. Während des Erasmussemesters hat sie sich auf das Gebiet „Tourismus als volkswirtschaftliches Element der Armutsverringerung“ spezialisiert. Der Tourismus ist aus betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht zu betrachten. Perrine hat sowohl in der privaten Wirtschaft als auch in der Entwicklungshilfe für Unternehmensberatungen in der strategischen Ebene gearbeitet. Nach 3 bis 4 Jahren in einem Bereich, fühlte sie sich immer wieder zum anderen Bereich hingezogen. Daraufhin überlegte Perrine, wie sie den betriebswirtschaftlichen und sozialen Aspekt im Bereich des Tourismus vereinen könnte. Durch Recherche wurde sie auf das Konzept „Touren geführt von Obdachlosen“ aufmerksam, welches bereits in verschiedenen Städten durchgeführt wird. Perrine kam die Idee, das auch in Wien einzuführen und sie machte sich sofort an die Verwirklichung. Sie dachte dabei nicht nur an ein gewinnorientiertes Unternehmen, sondern zudem an eine soziale Mission. Doch auch, wenn es sich um ein soziales Projekt handelt, muss dennoch Geld mit einkalkuliert werden. Daher überlegte sie, welche Dienstleistung oder welches Produkt angeboten werden kann, um sich finanziell selbst tragen zu können. Dieser Gedankengang spiegelt sich im Begriff „Social Business“ wieder.

Perrine stellte die Idee den Menschen vor, die sich mit der Zielgruppe und den Problemen auskennen. Dazu zählten sogenannte NGO´s, was aus dem Englischen kommt und „non-governmental organization“ bedeutet. Eine NGO ist eine nichtstaatliche Organisation, die nicht gewinnorientiert ist und auf freiwilliger Arbeit basiert.
Sehr erfreulich war für Perrine, dass sie auf Gehör gestoßen ist und Interesse gezeigt wurde. Perrine hatte zwar auf die Zweifel ihres Umfeldes gehört, wollte diese jedoch nicht sofort an sich heranlassen und erst Zuspruch ihrer Zielgruppe erhalten. Natürlich gab es in der Gründungsphase gewisse Zweifel, ob überhaupt die nötigen Kapazitäten vorhanden sind, ob sie das alles kann oder ob sie durchhalten wird. Ihre zweifelnden Fragen hatte sie alle mit „ja“ beantwortet und wollte das unbedingt durchziehen.
Zu Anfangszeiten hatte Perrine 85 Stunden pro Woche gearbeitet. Diese schwierige Zeit war ihr durchaus bewusst und sie ging sehr bedacht an das Vorhaben heran.

SHADES TOURS organisiert also geführte Touren von Obdachlosen in Wien. Perrine sieht das Thema Obdachlosigkeit als Bildungslücke, da wir täglich an Obdachlosigkeit und Armut vorbeigehen und nicht wissen wie wir damit umgehen sollen. Diese Lücke wird nun durch die Touren gefüllt, indem erklärt wird, wie in Wien das Sozialsystem funktioniert, was Obdachlosigkeit bedeutet, welche Herausforderungen und Lösungsansätze es dafür gibt. All das können natürlich betroffene Personen selbst am besten erklären. Die angebotene Dienstleistung ist also gleichzeitig soziale Bildung. Perrine führt in Österreich das einzige Unternehmen, welches aktiv obdachlose Personen einstellt und ihnen somit einen Weg aus der Obdachlosigkeit bietet. Dadurch ergibt sich der Nutzen, dass Kapital durch die angebotene Dienstleistung eingeht und gleichzeitig Obdachlosen eine Alternative geboten wird. Eine Arbeitserlaubnis besteht bei allen Mitarbeitern und wenn kein Konto vorhanden ist, wird eben eines angelegt. Mögliche Probleme ließen sich sehr gut lösen und es gab keine rechtlichen Schwierigkeiten. Auch auf Kritik durch die steigende mediale Aufmerksamkeit war Perrine vorbereitet. Aus diesem Grund war es ihr auch so wichtig, dass die NGO´s und die unterschiedlichen Einrichtungen genau wissen, was SHADES TOURS verfolgt. Mittlerweile hat Perrine 8 Angestellte und ist mit ihrem Team sehr zufrieden.

Perrines größtes Learning

Perrine kamen bereits in den ersten Jahren nach dem Studium der Gedanke, welche Geschichten sie später einmal in ihrem Sterbebett erzählen möchte. Durch einen Persönlichkeitstest kamen genau die Dinge zum Vorschein, die bisher schon zu ihren Stärken zählten (https://www.16personalities.com/de). Perrine lernte, genau zu hinterfragen, wo sie mit diesen Stärken hinmöchte und was sie benötigt, um glücklich zu sein. Ein großes Learning war auch, dass eine Selbständigkeit zu wesentlich weniger Zeit, weniger Urlaub, weniger Geld und weniger sozialen Kontakten führt. Allerdings lohnt es sich denn man bekommt unterm Strich mehr zurück als man investiert.

Perrines Tipps an alle Womenistas

Gönn dir einen Urlaub und nimm dir eine Auszeit

Es ist wichtig, den Kopf mal wieder völlig frei zu bekommen. So gelingt es dir, Spaß an dir selbst und an neuen Kulturen zu finden und einfach etwas Neues zu entdecken. Du erhältst neuen Input und hast Zeit, aus deiner Struktur heraus zu kommen und diese mit neuem Wind zu belüften. Nimm dir Zeit für dich selbst und denke darüber nach, was dich interessiert und was genau du möchtest. Wenn du merkst, dass etwas doch nicht funktioniert, musst du es jedoch nicht bis zum bitteren Ende durchziehen. Dann ist es an der Zeit, wieder etwas Neues auszuprobieren.

Setze dir keine zu straffen Ziele

Oft kommt alles ganz anders, als geplant. Versuche einfach, alle einzelnen Tage zu leben. Anschließend wirst du sehen, wo sie dich hinbringen. So ergibt sich das Ziel häufig von selbst. Lebe weniger in der Vergangenheit oder in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt.

Cornelia Mayer – Gründerin TOPFREISEN

Cornelia ist 32 Jahre alt, hat Sozialarbeit studiert und ist direkt nach dem Studium in der Sozialarbeit für Kinder- und Jugendhilfe gelandet. Dort ist sie nach wie vor tätig und hatte schon damals das Gefühl, als wäre das der spannendste Job, den sie sich vorstellen konnte. Nach einigen Jahren kam allerdings der Zeitpunkt an dem es nicht mehr ständig neue Herausforderungen gab. Deshalb versuchte Cornelia sich zu orientieren, was sie sonst noch tun könnte. Letztendlich hatte sie sich ein halbes Jahr Auszeit vom Job genommen und ging auf Weltreise. Dort bekam sie einen richtig freien Kopf, konnte viel mehr Dinge zulassen und über völlig neue Dinge nachdenken. Eines der prägendsten Dinge erlebte sie in Kambodscha in einem Restaurant. Dort wurden Waisenkinder durch ein Ehepaar aus der Schweiz für die Gastronomie angelernt. Der Gedanke, essen zu gehen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun, beeindruckte Cornelia sehr. Sofort hatte sie den Wunsch, jemand würde genau das in ihrer Heimat anbieten. Als sie zurück im Alltag war, geriet dieses Thema vorerst in Vergessenheit. Zufällig entdeckte sie das Wort „Social Entrepreneurship“. Nach einer Recherche wurde Cornelia auf Projekte aufmerksam, die sich als Social Business definierten. Voller Begeisterung sendete sie einer in der Suche angezeigten Person eine E-Mail, wie toll sie dieses Projekt findet. Hierbei handelte es sich um ein „Zero-Waste-Projekt“. Daraufhin fand sogar ein Treffen mit Austausch zu verschiedenen derartigen Themen statt. Cornelias Begeisterung stand für die Verbindung des sozialen mit dem wirtschaftlichen Aspekt. Als sie ihre Leidenschaften und Ideen auf einem Plakat festhielt, blieb ihr eine Idee besonders hartnäckig im Kopf. Hierbei ging es darum, dass Flüchtlinge Speisen aus ihren Heimatländern kochen. Diese Idee hatte Cornelia im Jahr 2013 bei einem Wettbewerb eingereicht und war sogar eine der Gewinnerinnen. Schon an der Stimmung im Publikum war zu erkennen, dass viele direkt darauf angesprungen sind. Cornelia dachte vorerst, die Umsetzung dieses Projektes wäre für einige Wochen neben dem Vollzeitjob problemlos möglich. Natürlich war das aber nicht ganz so einfach. Cornelia wollte mit Asylsuchenden arbeiten, die keine Arbeitserlaubnis haben, aber es gab keine Vorbilder, an deren Arbeitsweise sie sich orientieren konnte. Dann kamen schon die ersten Stimmen, die eine Umsetzung nicht für möglich hielten. Auch hatte Cornelia in den ersten Jahren keinen Businessplan, da sie selbst keine direkte Vorstellung hatte, worauf alles hinauslaufen würde.


Die rechtliche Umsetzung hatte im ersten Jahr die meiste Energie und Zeit gekostet. Cornelia hatte damals mit Juristen gesprochen und begann sogar selbst, die Gesetze zu lesen. Anfangs gab es nur einen Angestellten und einige ehrenamtliche Mitarbeiter, die neben dem eigenen Job unterstützten.
Obwohl sie sich nur Aufgaben vornahm, die sich auch wirklich bewältigen konnte, kam Cornelia an einem Punkt an, wo sie nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. Deshalb nahm sie sich eine Auszeit von ihrem Business. Es kamen sogar die Gedanken, alles an eine andere Person weiterzugeben und auszusteigen. Diese Person gab es aber nicht und Cornelia sammelte all ihre Kräfte, schrieb ein neues Konzept, reichte eine Förderung ein und es ging wieder weiter. Sie hatte sogar eine Gastronomieprüfung absolviert und hat sich somit in eine Richtung entwickelt, wie sie es sich nie vorstellen konnte. Letztendlich ist TOPFREISEN als Verein gestartet und vor einigen Monaten wurde zusätzlich eine Firma gegründet. Der Verein wird eine Ausbildung für Flüchtlinge in der Gastronomie anbieten und die Firma wickelt die Caterings ab.
Die Caritas St. Gabriel nahm Cornelias Idee mit Begeisterung auf. Dort konnte sie dann die Küche der Abteilung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge verwenden, die ohne Eltern oder Verwandte nach Österreich kamen. Somit hatte sie auch die Zielgruppe direkt vor Ort.

Cornelia weiß schon jetzt, dass TOPFREISEN nicht das Letzte sein wird, was sie in ihrem Leben macht, da sie immer neue Herausforderungen sucht. Ihr Ziel ist es, etwas aufzubauen, bis alles funktioniert und im besten Fall jemandem zu übergeben, der das weiterführt.

Als nächster Schritt ist die TOPFREISEN-Academy geplant, bei der Flüchtlinge eine Gastronomie-Ausbildung und einen direkten Arbeitsmarkteinstieg erreichen sollen. Cornelia ist immer sehr wichtig, dass der Mehrwert nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch den Einheimischen geboten wird. So auch bei dieser Idee – die heimische Gastronomie klagt über fehlendes Personal, die Flüchtlinge sind hoch motivierte Mitarbeiter.

Cornelias größtes Learning

Cornelia hat auf eine bestimmte Art und Weise gelernt, etwas selbstbewusster zu sein. Oft hatte sie das Gefühl, dass andere sicher alles viel besser können. Dieses Gefühl konnte sie allerdings verwerfen. Sie kann sich viel mehr in den Fokus stellen und sich wesentlich mehr zutrauen. Zudem war Cornelia anfangs kein intuitiver Mensch, lernte jedoch mit der Zeit viel mehr, auf ihr Bauchgefühl zu hören.

Cornelias Tipps an alle Womenistas

Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt

Warte nicht auf den richtigen Zeitpunkt, sondern ergreife die Chance, sobald sie da ist. Sonst kann es passieren, dass du nie ins Handeln kommst.

Halte durch

Wenn du dich dazu entscheidest, etwas Bestimmtes zu beginnen, ist es sehr wichtig, durchzuhalten. Um etwas zu erreichen, musst du auch ein wenig langatmig sein. So kommst du dann auch an dein Ziel.

Anbei findest du noch eine Q & A mit Fragen aus Publikum und Social-Media-Kanälen

Wie viele Mitarbeiter habt ihr und welche Art von Verträgen setzt ihr ein?

Cornelia setzt in der Firma normale Dienstverträge ein. Sie selbst und eine weitere Mitarbeiterin sind in der Firma in Teilzeit tätig. Zudem gibt es zwei Vollzeitmitarbeiter (Catering-Manager und Koch) und 3 geringfügig Beschäftigte, die stundenweise bei größeren Caterings einspringen.

Perrine setzt ebenfalls normale Dienstleistungsverträge ein. Sie beschäftigt eine Teilzeitmitarbeiterin, einen ehemaligen Guide, der mittlerweile auch als Sales-Manager tätig ist, 2 weitere Mitarbeiter im Backoffice und 4 Guides, als geringfügig Beschäftigte.

Wer sind eure Kunden und über welche Kanäle akquiriert ihr diese?

40 % von Perrines Kunden sind Schulen, da soziale Bildung zu verschiedenen Unterrichtsfächern wie Deutsch, Religion, Ethik oder Psychologie passt. Weitere Kunden sind Vereine, Unternehmen, Sozialarbeiter oder Einzelinteressenten.
Viele Kunden werden über die Medien aufmerksam, Einzelkunden auch über Social-Media-Kanäle. Schulklassen kommen oft durch Weiterempfehlungen der Lehrer.

Bei Cornelia gibt es sowohl Privat- als auch Firmenkunden.
Anfangs kamen die meisten Kunden über die Medien und mittlerweile über Mundpropaganda.

Cornelia, hast du bestimmte Ideen, in welche Richtung du dich weiterentwickeln möchtest wie zum Beispiel ein eigenes Restaurant eröffnen?

Ein eigenes Restaurant ist momentan nicht der Fokus von TOPFREISEN, da Catering das Kerngeschäft sind. Im nächsten Schritt möchte sich Cornelia auf die TOPFREISEN Academy konzentrieren. Aktuell haben sie sich um die Bewirtung einer Kantine beworben. Cornelia könnte sich auch vorstellen, das Konzept auf weitere Orte auszuweiten.

Perrine, hast du Pläne, die Touren noch in weiteren Städten anzubieten?

Das Konzept gibt es bereits in verschiedenen Städten. SHADES TOURS wurde damals schon mit dem Ziel gegründet, eine Marke aufzubauen, die sich internationalisieren lässt. Es soll künftig nicht nur das Thema Obdachlosigkeit behandelt werden, sondern es soll auch möglich sein, unterschiedliche sozialpolitische Themen aufzugreifen.

Wie hast du gelernt, auf dein Bauchgefühl zu hören Cornelia?

Cornelia hatte große Unterstützung von ihrer Mentorin, die ihr dabei geholfen hat, es einfach zu probieren und zu schauen, was passiert. Ein guter Weg, um zu seinem Bauchgefühl zu finden ist, wenn man sich in neue Situationen außerhalb der Komfortzone begibt und gar nichts anderes zur Verfügung hat.

Wie schafft ihr es, euch in Tiefphasen wieder aufzubauen?

Cornelia nimmt sich manchmal Auszeiten von der Realität, in dem sie eine Zeitlang intensiv Netflix schaut, bis der Kopf wieder frei ist und sie wieder offen für etwas Neues ist.

Perrine überdenkt in derartigen Situationen, wie gut oder schlecht es ihr wirklich geht, um sich dann dementsprechend auszuruhen. Teilweise kommen in diesen Phasen auch nur kleinere Selbstzweifel zum Vorschein, die sich leicht wieder aus dem Weg räumen lassen.

Hier findest du mehr über Perrine und Cornelia

Perrine (SHADES TOURS)

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Cornelia (TOPFREISEN)

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